»Es gibt keinen echten Generationenkonflikt, wenn wir auf hören, in Schubladen zu denken«, sagt Unternehmensberaterin und Startup-Gründerin Teresa Katz. Mit ihren 29 Jahren hat sie schon viel von der Berufswelt gesehen und mit den verschiedensten Leuten und Generationen zusammengearbeitet. Ihr Fazit: Es kommt nicht auf das Geburtsjahr an, sondern auf die Bereitschaft zur Veränderung – egal ob Boomer oder Gen Z. Ihr Buch »Vielseitig desinteressiert & trotzdem voller Meinung – Wie viel Wahrheit steckt hinter dem Generationenkonflikt?« zeigt, wie wir Brücken zwischen den Generationen bauen können – nicht um Unterschiede zu betonen, sondern um sie als Chance zu begreifen. Denn nur so können wir am Ende alle gewinnen. autorenwelt.de/teresakatzz
Woran denkst du, wenn du das Wort »Tradition« hörst?
Wenn ich an Tradition denke, kommen mir sofort Begriffe wie Beständigkeit, Verwurzelung und Vertrautheit in den Sinn. Für mich sind Traditionen feste Bestandteile und auch Routinen im Leben, auf die man sich immer wieder berufen kann. Im Prinzip eine Art Anker.
Gibt es eine Tradition, die dich persönlich besonders geprägt hat?
Mich hat vor allem die Boomer-Tradition bzw. -Generation geprägt, und damit auch die Werte, die mit ihr verbunden sind: Fleiß, Sicherheit, Routine und Loyalität. Ich würde zwar nicht sagen, dass Boomer per se traditionell sind oder ausschließlich für Tradition stehen, aber ich bin überzeugt davon, dass sie wichtige Träger von Traditionen sind und gewisse Werte über Generationen weitergeben.
Wie haben sich deine eigenen Vorstellungen von Tradition im Laufe der Zeit verändert?
Ich musste lernen, Traditionen zu hinterfragen. Für mich sind sie nicht grundsätzlich etwas Negatives, ganz im Gegenteil, ich finde es spannend zu erkennen, dass man Dinge trotzdem hinterfragen darf, auch wenn sie vertraut wirken oder schon immer so waren. Traditionen dürfen weitergedacht werden.
In vielen Situationen ist es allerdings gar nicht so leicht, bestehende Strukturen aufzubrechen. Auch mir fiel das anfangs schwer. Was mir dabei geholfen hat, war meine innere Stimme, die mir gesagt hat: Ich bin frei, ich darf Dinge hinterfragen, ich muss nicht stumm sein. Genau das war ein wichtiger Lernprozess für mich, herauszufinden, wie ich persönlich mit Traditionen umgehen möchte. Dieses Selbstvertrauen habe ich heute.
Welche Rolle spielt »Tradition« in deinem beruflichen Kontext?
Mir sind traditionelle Werte sehr wichtig, schließlich haben sie mich geprägt. Dabei denke ich vor allem an einen respektvollen Umgang miteinander, denn das sind für mich Grundwerte, auf denen alles aufbaut. Gleichzeitig bin ich ein großer Fan davon, Traditionen offen zu denken. Es geht nicht darum, etwas Altes automatisch fortzuführen, nur weil es schon immer so war. Sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld entstehen ständig neue Traditionen, besonders dann, wenn neue Generationen dazukommen und frische Perspektiven einbringen.
Wo ist »Tradition« förderlich, wo ist sie vielleicht auch hinderlich?
Ich finde, Tradition kann sowohl förderlich als auch hinderlich sein, gerade wenn es um Veränderungen geht. Sie kann uns bremsen, wenn wir zu sehr an Altem festhalten, gleichzeitig kann sie aber auch inspirieren, denn jede Veränderung bringt die Chance mit sich, neue Traditionen entstehen zu lassen. Im Grunde kann jeder Mensch seine eigenen Traditionen schaffen und für sich selbst definieren, was ihm wichtig ist. Hinderlich wird es eigentlich nur, wenn Tradition ohne Bewusstsein vermittelt oder gelebt wird. Tradition darf keine Begründung für alles sein.
Ich finde auch, dass z. B. traditionelle Feste oder Rituale oft einen positiven Effekt haben, weil sie für Gemeinschaft stehen und Zugehörigkeit vermitteln. Alte wie neue Traditionen schaffen Identität und verbinden Menschen miteinander, das ist etwas sehr Soziales.
Wie stellst du dir eine gute Balance zwischen Tradition und Fortschritt für die Zukunft vor?
Für mich liegt die Balance in der Bereitschaft, zuzuhören. Wenn wir generationsübergreifend wirklich miteinander ins Gespräch kommen, merken wir schnell, dass uns oft ähnliche Dinge bewegen. Wir alle stehen vor vergleichbaren Herausforderungen, nur aus unterschiedlichen Perspektiven. Wenn der Mensch selbst wieder stärker in den Mittelpunkt rückt und wir uns auf Dialog, Empathie und ein echtes Miteinander
konzentrieren, entsteht etwas sehr Schönes. So kann Tradition lebendig bleiben und gleichzeitig Raum für Fortschritt schaffen.
Gibt es etwas, das du dir wünscht, dass wir als Gesellschaft neu als Tradition begreifen sollten?
Ich fände es wunderbar, wenn es zu einer neuen Tradition würde, wertfrei und respektvoll miteinander umzugehen, ohne sich gegenseitig zu bewerten oder abzugrenzen. Wertschätzung sollte selbstverständlich sein. Gerade im Arbeitskontext könnte ich mir vorstellen, dass generationenübergreifende Tandems zu einer festen Tradition werden. Wenn Jüngere und Ältere gemeinsam arbeiten, lernen beide Seiten
voneinander. So wächst nicht nur das Verständnis füreinander, sondern auch das Bewusstsein dafür, wie wichtig jede Generation für die Arbeitswelt ist.
Wenn du »Tradition« in einem Satz für die nächste Generation definieren müsstest – wie würde er lauten?
Altes ist gut, um darauf zurückzugreifen, aber scheut euch nicht davor, es neu zu interpretieren. Ich denke dabei immer an die Rezepte meiner Oma, die ich heute gerne ein bisschen anders interpretiere. So entsteht etwas Eigenes, und trotzdem bleibt die Verbindung zum Ursprung erhalten, mit dem ich mich identifizieren kann.
Tradition ist für mich eine gemeinsame, generationsübergreifende Aufgabe: sie zu bewahren, weiterzuentwickeln und mit neuen Impulsen lebendig zu halten.




