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Social Media und Medienmarken – ein Blick über den Tellerrand

Für Medienhäuser dürfte eine der spannendsten Fragen der näheren Zukunft sein, wie sie mit sozialen Medien umgehen, allen voran Facebook. Das Unternehmen hatte Anfang Juli erklärt, dass die Nutzer von Facebook in ihrem News-Feed nun wieder vorrangig die Nachrichten von Freunden und nicht mehr  die von Nachrichtenseiten zuerst sehen. Welche Bedeutung dies für Verlage hat, wird deutlich, wenn man eine „Statista“-Grafik betrachtet, die analysiert, aus welchen Quellen sich der Traffic von News-Webseiten speist.

Die „Statista“-Statistik aus dem Zeitraum Januar und Februar 2016 zeigt, dass sich rund 80 Prozent des Traffics aus den Verweisquellen der Google Suchmaschine und von Facebook stammt. Der Anteil von Facebook macht dabei über 41 und der von Google 39,5 Prozent aus. Änderungen bei Facebook und Google schlagen also immer schnell auf den Traffic von News-Seiten durch. Das Beispiel von Facebook zeigt, dass Verleger damit – anders als etwa noch bei gedruckten Medien – keinen Zugriff mehr auf Lenkungsmechanismen haben, die Ihnen Leser zuführt, sondern am Tropf der Suchmaschinen und Sozialen Medien hängen. Dies ist eine Erkenntnis, die vor allem für die Reichweite gilt und einen Bericht des Reuters Institut untermauert. Facebook hat zudem angekündigt Instant Articles auch in den Messenger, also seine mobile Applikation zu integrieren.

Katharine Viner, Chefredakteurin des Guardian, hat vor Marketingverantwortlichen in London Gedanken zu sozialen Medien und Medienrezeption vorgetragen, wie das Onlinemagazin „Digiday“ berichtet. Sie stellt fest, dass Facebook als Plattform dominant geworden sei, wenn es darum gehe, welche Nachrichten Menschen rezipieren. Es gehe um den Kampf, im Newsfeed zu sehen zu sein. Im Übrigen nicht nur für Medien, sondern auch für deren Werbekunden.

Viner befürchtet aber auch Konsequenzen für die inhaltliche Rezeption von Lesern, die sich immer stärker in „Echokammern“ etwa ihrem präferierten Social Media Kanal befänden. Man könne heute Nachrichten rezipieren, ohne auf gegensätzliche Ansichten zu treffen. Das kann bedeuten, dass Leser sich nur noch mit Gleichgesinnten austauschen, was zu weniger Fakten, Rezeption und zu mehr Mythenbildung führen könne. Viner macht diese Erkenntnis auch an der Debatte um das Referendum zum Austritt Großbritanniens aus der EU fest.

Viner kritisiert die Verbreitung und Finanzierung von gefälschten Nachrichten, gerade in Social Media Kanälen. Sie verwies darauf, dass Journalisten bevor Sie Nachrichten veröffentlichten Verifikationsprozesse nutzen, die etwa in Facebook nicht Usus seien und somit Mythen und Unwahrheiten mit einer ungeheuren Geschwindigkeit in die Öffentlichkeit gelangen und sich ungeprüft rasend schnell verbreiten können, wie die Beispiele zu den Attentaten in Paris gezeigt haben. Dazu seien Gerüchte und Lügen oftmals die „wildere“ und damit die attraktivere Story für Leser. Viner sprach auch über die Zukunft der Finanzierung von Medien und davon, dass der „Innovative Journalismus ein neues Geschäftsmodell“ brauche.

Das Medienportal „Horizont“ berichtet über das freiwillige Zahlungsmodell „Taz.zahl ich“. Die „taz“ arbeitet nicht mit einer harten Paywall, sondern ruft zur Spende auf, verfolgt das „Freemium-Modell“ und nimmt mit diesem Modell mittlerweile 45.000 Euro pro Monat über seine Online-Plattform ein. Sicher sind den Lesern der „taz“ solche Modelle bekannt, schließlich ruft die Zeitung – auch das Printobjekt – seit Jahren zu Abomodellen und Spenden auf.

Foto: Lenka Horavova/shutterstock.com

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