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„Paid Content“ bei den Zeitungstiteln auf dem Vormarsch

Die Bezahlschranken für journalistische Inhalte im Netz werden mehr. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger als Spitzenorganisation der Zeitungsverlage (BDZV) meldete gestern, dass bereits 100 Zeitungstitel eine „Paid Content“-Strategie für Ihre Inhalte verfolgen. Das sind rund 35 Prozent, denn der BDVZ listet aktuell 351 Tageszeitungen. Die „Nordwest-Zeitung“ in Oldenburg hat die Jubiläumszahl 100 für sich gebucht. Vorreiter der „Paid Content“-Strategie in Deutschland sind, laut Auskunft des Verbandes, vor allem die Regionalverlage. Zudem soll die Zahl der Titel, die Inhalte nur noch gegen Bezahlung anbieten, auch in 2015 kontinuierlich steigen.

„Paid-Content“

„Paid Content“ bezeichnet das kostenpflichtige Angebot von digitalen Inhalten und ist neben der Online-Werbung eine Möglichkeit zur Refinanzierung von Websites, insbesondere für Online-Inhalte von Verlagen.

„Freemium“

Freemium ist ein Paid-Content-Modell, bei dem Basis-Inhalte einer Website gratis angeboten werden, während der volle Zugriff auf alle Inhalte kostenpflichtig ist. Rund 70 Prozent der deutschen Zeitungen mit Paid-Content-Angebot setzen auf die Freemium-Variante.

„Metered-Model“

Das „Metered Model“ ist eine weitere Variante des Paid-Content, bei dem eine gewisse Anzahl an Beiträgen während eines zeitlichen Intervalls, etwa pro Monat, kostenlos gelesen werden kann. Alle darüber hinausgehenden Abrufe von Beiträge sind kostenpflichtig. Im Gegensatz dazu gibt es eine
sogenannte „harten Bezahlschranke“ bei der sämtliche Inhalte gleich von Beginn an kostenpflichtig sind.

 

„Paid Content hat in den vergangenen zwei Jahren eine enorme Dynamik entfaltet: Ende 2012 besaßen erst 40 Zeitungstitel ein Online-Bezahlmodell, Ende 2014 sind es mehr als doppelt so viele“, erklärte dazu Hans-Joachim Fuhrmann, Leiter Kommunikation und Multimedia beim BDZV. Das Statistik-Portal „Statista“ listet 60 Freemium und 35 Metered-Modelle für Paid-Content von Online-Zeitungsportalen in Deutschland im November 2014. Vier haben eine harte und lediglich eine Zeitung nutzt die freiwillige Bezahlschranke.

Die Kritiker glauben nicht an „Paid Content“

Kai Dieckmann, Chefredakteur der „Bild“-Zeitung nannte das kostenfreie Zur-Verfügung-Stellen von journalistischen Inhalten im Netz einst den „Geburtsfehler des Internets“. Eine Studie des Bundesverbandes Informationswirtschaft,Telekommunikation und neue Medien BITKOM aus dem Jahr 2009 verriet, dass 93 Prozent der Nutzer bereit wären, maximal 10 Cent für einen Artikel auszugeben. Auch die Studie der GfK Custom Research und der GfK Verein aus dem Jahr 2009 kam zu dem Ergebnis, dass nur 9 Prozent der deutschen Internetnutzer bereit wären für Webinhalte zu bezahlen. Damals gab es noch kaum Bezahlmodelle, man darf also gespannt sein, ob sich die Haltung der Leser mit der Zunahme der Paid Content Modelle ändern wird. Die Kritiker von „Paid Content“ glauben nicht an die Bezahlschranken, da das Internet einen nahezu inflationären Überfluss an Nachrichten und Inhalten bereit halte. Und von Dingen die es massenhaft gibt, ist nicht bekannt, dass sie besonders werthaltig seien. Kritiker führen auch die Frage nach der Markentreue ins Feld. Gerade jüngere Leser bedienten sich willkürlich im hochfragmentierten Newsangebot des Webs. Und das weltweit. Aggregatoren, Social Networks oder Twitter und Feeds liefern einen nie enden wollenden Nachrichtenstream. Hier ist die Frage, ob sich gerade das „Metered Modell“, dass sich am Vielleser ausrichtet, überhaupt durchsetzen kann. Die, die konsequent auf eine Bezahlschranke setzen, laufen zudem Gefahr aus dem Relevant Set von Lesern herauszufallen.

Reichweiten sollen „Paid Content“ zum Erfolg verhelfen

Beim BDVZ ist man im Gegensatz zu den Kritikern der Ansicht, dass die großen Reichweiten der Tageszeitungen eine ideale Vorraussetzung für die „Paid Content“-Strategien seien. So erreichten die Online-Inhalte der Zeitungen jeden Monat 31 Millionen Leser, darunter seien 10 Millionen junge Leser im Alter zwischen 14- bis 29-Jahre, so der Verband. „Die Branche ist sich einig, dass der Erfolg mit digitalen Angeboten nur dann zu einem wirtschaftlichen Erfolg wird, wenn Leser für Zeitungsangebote auf den unterschiedlichen digitalen Plattformen auch bezahlen“, so Fuhrmann und weiter: „Entscheidend wird sein, ob aus Gelegenheitsnutzern loyale Stammnutzer werden, die bereit sind, für qualitativ hochwertigen Inhalt Geld auszugeben.“

E-Paper weiter auf dem Vormarsch

Große Chancen sieht man beim Verband auch in der Vermarktung von E-Paper-Ausgaben, deren Verkauf aktuell bei 620.000 Exemplaren läge und der mit rund 40 Prozent zum Vorjahr dynamisch gewachsen sei. Zudem vertreiben die deutschen Zeitungsverleger aktuell rund 530 kostenpflichtige APPs. Die spannende Frage wird sein, ob es den Zeitungen gelingt neben ihren Stammlesern und Abonnenten, weitere und neue Leser für Ihre Bezahlmodelle im Netz zu gewinnen. Denn die Zahl der News und ihre Qualität im Netz nimmt nicht ab, sondern zu. Der Guardian Kolumnist Michael Wolff schrieb: „Der prägnanteste und erfolgreichste Trend bei Online-News ist nicht das Hinzufügen von Paywalls, sondern, dass mehr Nachrichten mit deutlich weniger Leuten zur Verfügung gestellt werden.”

Der Verband hat eine Liste mit Zeitungen im Netz, die „Paid Content“ anbieten >

Foto: bloomua/fotolia

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