Herzblut schafft Höchstleistung
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Herzblut schafft Höchstleistung

Ruth-Anne Damm und Nina Taubenreuther, Geschäftsführerinnen von ZWEITZEUGEN e. V., erläutern die Bedeutung von Struktur in ihrer täglichen Arbeit und berichten, wie mehr als 100 Ehrenamtliche mit Herzblut Bildungsarbeit für ein Thema leisten, das heute relevanter denn je für unsere Gesellschaft ist.

Von der Vision zur Organisation

Stellen Sie sich vor, Sie bauen ein Haus auf einem Fundament, das sich ständig verändert. So fühlt sich die Arbeit in einer drittmittelfinanzierten NGO oft an. Wir bei ZWEITZEUGEN e. V. geben die Lebensgeschichten von Holocaust- Überlebenden an (junge) Menschen weiter, um sie zu befähigen, als »Zweitzeug*innen« gegen Antisemitismus und Diskriminierung einzustehen. Dies geschieht in vielfältiger Weise in Workshops, Ausstellungen und kreativen Projekten. 

Was vor über 15 Jahren als studentische Initiative begann, ist heute ein professionelles Sozialunternehmen mit 28 Mitarbeitenden und über 100 Ehrenamtlichen. In diesem Wachstumsprozess haben wir gelernt: Gute Absichten brauchen eine exzellente Struktur.

Wachstum ist für uns kein Selbstzweck, sondern die Antwort auf eine steigende Nachfrage und gesellschaftliche Herausforderungen. Mehr als 114.000 Menschen nahmen bislang an unseren Bildungsangeboten teil – davon sind rund 58.000 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren. 83 % der Teilnehmenden geben in anschließenden Befragungen an, selbst als Zweitzeug*in aktiv werden zu wollen. Um diese Wirkung zu skalieren, mussten wir uns von ursprünglich rein ehrenamtlichen »Jeder macht alles«-Mentalität und flachen Hierarchien der Anfangszeit verabschieden. Wir haben klare Prozesse und Rollen definiert, eine mittlere Managementebene eingezogen und die Organisation in Wirkungsbereiche gegliedert. Diese Differenzierung schafft Handlungsspielräume und schärft das inhaltliche Profil.

Struktur unter Unsicherheit gestalten

Die Besonderheit unserer Struktur liegt in der Finanzierung: Wir finanzieren uns zu einem großen Teil über Fördergelder. Hierin liegt zugleich unsere größte Herausforderung: nachhaltiges Teambuilding bei Projektbasierter Finanzierung.  Denn Drittmittelabhängigkeit bedeutet oft kurze Förderperioden und Planungsunsicherheit. Wie baut man unter diesen Bedingungen ein nachhaltiges Team auf?

Unsere Antwort lautet:Wachsen und Zusammenwachsen. Dabei investieren wir gezielt in die Professionalisierung von Fundraising und Finanzen, um Bedarfe exakter zu ermitteln und Anschlussfinanzierungen frühzeitig zu sichern. Gleichzeitig stärken wir die Resilienz des Teams durch Präventions- und Schutzkonzepte sowie regelmäßige Fortbildungen. 

Ein tragfähiges Team entsteht dort, wo trotz externer Unsicherheit intern Klarheit herrscht: über Rollen, Zuständigkeiten und Entscheidungswege.

Struktur schafft hier nicht Enge, sondern Orientierung – und damit die Grundlage für Eigenverantwortung und Motivation.

Struktur als Integrationsleistung: Haupt- und Ehrenamt zusammendenken

Besonders an unserer Struktur ist das »Team Wir«: Die Verschränkung von Haupt- und Ehrenamt. Unsere Ehrenamtlichen sind keine »Hilfskräfte«, sondern Expertinnen und Experten in Fachbereichen wie Wissenschaft, Kommunikation oder Bildung. Um diese aktuell 107 Freiwilligen nachhaltig einzubinden, braucht es eine professionelle Betreuung und klare Prozesse. Struktur bedeutet hier, Räume für Engagement so zu gestalten, dass sie flexibel bleiben, aber dennoch wirkungsvoll in die Gesamtstrategie einzahlen. Zukünftig wollen wir Engagement noch niederschwelliger zugänglich machen.

Unser Learning: Kultur braucht Struktur – und umgekehrt

Struktur ist kein starres Gerüst, sondern ein dynamischer Prozess. Sie muss stabil genug sein, um äußeren Druck abzufedern – und zugleich offen genug, um inhaltliche Weiterentwicklung zu ermöglichen. So konnten wir beispielsweise unsere Bildungsarbeit umfassend antisemitismuskritisch weiterentwickeln – getragen von klaren Prozessen und einer Kultur der Reflexion und
Kritikfähigkeit. 

Für uns gilt: Struktur ist die Voraussetzung dafür, dass aus individueller Leidenschaft kollektive Wirkung wird. Denn nur eine gut organisierte Stimme kann in einer lauten Gesellschaft dauerhaft Gehör finden.

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