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Eine Ausstellung für die Schrift der Moderne – die Futura

Im nächsten Jahr feiert sie 90sten Geburtstag – die Futura, gestaltet von Paul Renner und 1927 in Frankfurt am Main veröffentlicht. Radikal war sie und die Schrift der Avantgarde der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Aktuell werden ihre geometrischen Grundformen wieder stark gecovert und ihre Derivate sind derzeit hipp und liegen im Trend, siehe das Google-Logo. Das Gutenberg-Museum in Mainz huldigt der Schrift mit einer eigenen Webseite und einer Ausstellung „Futura. Die Schrift.“ vom 3. November bis zum 30. April 2017. Das Ziel: Man will dem Erfolgsgeheimnis der Schrift auf die Spur kommen.

Der Entwerfer der Futura – Paul Renner

Paul Renner wurde am 9. August 1878 in Wernigerode geboren, war Grafiker, Maler, Schriftenentwerfer, Autor und Lehrer. Studiert hatte er Malerei und Architektur in Berlin, München und Karlsruhe, arbeitete unter anderem als Hersteller im Münchner Verlag Georg Müller und gründete in der bayerischen Landeshauptstadt 1911 eine private Schule für Illustration. Von 1925 bis 1926 übernahm er die Leitung der Klasse für Werbegraphik und Typographie an der bekannten Frankfurter Kunstschule und ab 1927 leitete er die Meisterschule für Deutschlands Buchdrucker. 1933 wurde er aus dem Schuldienst entlassen. Zu seinen Schriftenentwürfen neben der Futura-Familie mit Schnitten wie Black, Licht und Schlagzeile, zählen auch die Plak, die Ballade oder die Renner Antiqua.

Futura auf dem Mond

Die Futura ist auch heute noch allgegenwärtig. Sie ist die Schrift der großen Metropolen und schaffte es bis auf den Mond. Denn die Astronauten der Apollo 11, Neil Armstrong, Edwin „Buzz“ Aldrin und Michael Collins hinterließen auf dem Erdtrabanten eine Plakette deren Botschaft in der Futura gesetzt war und den oder die Finder über die friedliche Mission informieren soll. Der berühmte Regisseur Stanley Kubrick setzte die Schrift auf seinen Filmplakaten ein. Und dies sind nur einige wenige Beispiele wo die Schrift überall zu sehen war und ist.

Die Schrift folgt einer geometrischen Konstruktion und entwickelt aus Kreis, Rechteck und Dreieck ihre Formensprache. Erfunden, in einer Zeit, in der serifenlose Groteskschriften schon als modern galten. Die Ausstellung beantwortet die Frage, warum gerade diese Schrift so enthusiastisch gefeiert wurde und zeigt zahlreiche designhistorische Originaldokumente. Die Ausstellung, so die Macher, zeige zahlreiche noch nie öffentlich ausgestellte Leihgaben aus öffentlichem und privatem Besitz. Darunter Entwurfszeichnungen, Schriftmuster, Schriftgarnituren aus der Zeit des „Bleisatzes“ und Drucksachen und Publikationen von Paul Renner selbst, aber auch von Hans Leistikow, Kurt Schwitters oder Paul Rand.

Auf Platz 5 der Bestenliste

In der Liste der 100 besten Schriften aller Zeiten rangiert die Futura auf Platz 5, nach Helvetica, Garamond, Frutiger und Bodoni. Nach ihr ordnet sich erst die Times ein, die in der Fassung Times New Roman auf fast jedem PC installiert ist. Und es gibt und gab von Anfang an „Klone“ und Alternativen, wie die Neuzeit Grotesk aus dem Jahr 1930 – entworfen von Wilhelm Pischner, die durch ihre größere x-Höhe einen kompakteren Satz ermöglichte als das Original. Oder die Drescher Grotesk, die Spartan Classified, die Twentieth Century, die Neuzeit S aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, die ITC Avant Garde Gothic, die FF Mark oder die Cera Pro.

Im Jahr 2012 bekam der Klassiker durch die Verwendung im Titelkopf der „USA TODAY“ – nach dem „Wall Street Journal“ die zweite auflagenstärkste Tageszeitung in den Vereinigten Staaten – neuen Aufwind. Auch die Überschriften, Untertitel, Zitate und Infoblöcke werden mit dem Klassiker gesetzt, kombiniert mit der Chronicle von Hoefler & Frere-Jones. Die „USA TODAY“ mit der Futura wirkt dabei alles andere als altbacken.

Wer mehr über die Futura erfahren will, der muss die Ausstellung im Gutenberg-Museum in Mainz besuchen. Konzipiert wurde die Ausstellung von Dr. Annette Ludwig, Direktorin des Gutenberg-Museum, in Kooperation mit den Professorinnen Dr. Petra Eisele und Dr. Isabel Naegele vom Institut Designlabor Gutenberg der Hochschule Mainz.

Die Ausstellung „FUTURA. DIE SCHRIFT.“ ist vom 3. November 2016 bis 30. April 2017 im Gutenberg-Museum zu sehen.

Gutenberg-Museum
Liebfrauenplatz 5
55116 Mainz

Öffnungszeiten
Dienstag bis Samstag von 9–17 Uhr
Sonntag von 11–17 Uhr
Montag und an gesetzlichen Feiertagen geschlossen

Workshops
Workshop „Plakat-/Geschenkpapierdruck“
Experimente mit FUTURA-Plakatschriften, Farben sowie Formen. Ein Plakat oder Geschenkpapier wird hergestellt.
5.11.2016, 14.1.2017 und 4.3.2017 von 10–15 Uhr

Workshop „Kartendruck“
Mit  FUTURA-Schriften Karten mit Satz, Form
und Farbe herstellen.
3.12.2016, 11.2.2017 und 8.4.2017 von 10–15 Uhr

Werkstattbeitrag 5 € Erwachsene/4 € Studierende /3 € Schüler/-innen (ein Plakat bzw. Bogen oder drei Karten im Werkstattbeitrag inklusive)

Anmeldung erwünscht, Tel. 06131-122686 oder gm-druckladen@stadt.mainz.de

 

Foto/Collage: Gutenberg Museum Mainz/PR

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