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Die Chancen von digitalen Büchern für das Self-Publishing und Verlage

Die Frankfurter Buchmesse öffnet heute ihre Pforten, nachdem sie von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier eröffnet wurde. Der Buchpreis geht in diesem Jahr an Lutz Seiler. Gastland ist Finnland und die Macher rechnen mit rund 300.000 Besuchern und 7.000 Ausstellern aus 100 Ländern. Mehr und mehr Aussteller beschäftigen sich mit dem elektronischen Publizieren und auch das Thema Self-Publishing – also das Veröffentlichen ohne Verleger – nimmt größeren Raum ein. Dabei trennen sich Print und Digitales immer weniger. Gab es früher eine extra Halle für das elektronische Publizieren, liegen heute gut durchmischt die E-Books mit an den Ständen der Verlage. Online und Print verschmelzen auch in der Buchbranche immer mehr. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Frage, wie in Zukunft Wissen digital aufbereitet wird und wie ein digitales Klassenzimmer aussieht. Im Vorfeld der Buchmesse hat der Hichtech-Verband Bitkom die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 2.300 Bundesbürgern zum Thema E-Book veröffentlicht. (Methodik am Fuß des Textes*)

Hohes Marktpotenzial

Es werden mehr E-Books gelesen. Waren es 2013 noch 21 Prozent der Bundesbürger, die Buchstaben, Wörter und Sätze aus elektronischer Tinte verschlangen, sind es heute schon 24 Prozent. Unter den Bücherfreaks liegt der Anteil der Freunde des digitalen Buchs mittlerweile bei 33 Prozent. Dass dieser Anteil stetig steige, läge auch an der wachsenden Gerätebasis, so die Studie. Denn E-Books werden auf mehreren Geräten parallel gelesen. So geht der Verband in seiner Prognose davon aus, dass im laufenden Jahr 9,2 Millionen Tablet Computer – das macht ein Plus von 15 Prozent – und 1,2 Millionen reine E-Reader verkauft werden. Hier sehen die Experten ein Plus von 12 Prozent. Dass die digitalen Bücher immer beliebter werden, läge aber auch an den Zusatzfunktionen, die geboten werden. So kann man nicht nur die Schriftgröße dem eigenen Sehvermögen oder den Umgebungssituationen anpassen, sondern Bücher auch teilen, hat jederzeit Zugriff auf viele Titel und weiterführende Informationen zum Text. Zudem passt das E-Book in jede Handtasche und macht den Koffer nicht so schwer, wie mehrere dicke Wälzer, die man in den Urlaub mitnehmen will. Auch die Anbieter vergrößern ihr Programm, etwa durch E-Book-Flatrates.

Das Marktpotenzial der elektronischen Bücher ist zudem glänzend. 32 Prozent der Nichtnutzer können sich vorstellen, in Zukunft Bücher digital zu lesen. Die Leser sind homogen, mit Ausnahme der über 65-Jährigen über alle Alterscluster verteilt. 31 Prozent der 14-29-, 30 Prozent der 30-49- und 27 Prozent der 50 bis 64-Jährigen lesen Romane, Krimis oder Poetisches auf einem digitalen Endgerät. Gelesen wird auf allen Geräten. 56 Prozent nutzen dazu ihren Laptop oder ihr Netbook und 44 Prozent greifen zum Smartphone. Auch der stationäre Desktop-PC wird von immerhin noch 32 Prozent, vor 30 Prozent Tablet und 27 Prozent Lesern von E-Readern genutzt. „E-Book-Leser sind nicht auf ein Gerät festgelegt. Ein Fünftel liest parallel auf unterschiedlichen Geräten wie Tablet, Smartphone und E-Reader“, erklärt Bitkom-Präsidiumsmitglied Dr. Christian Illek. Dabei spielt die Cloud eine große Rolle. Über diese werden die Inhalte für die einzelnen Endgeräte synchronisiert. Das bedeutet, lege ich meinen E-Reader im Schlafzimmer aus der Hand, kann ich am nächsten Morgen in der U- oder Straßenbahn auf dem Weg zur Arbeit mit dem Smartphone genau an der Stelle weiterlesen, wo ich am Vorabend aufgehört habe. Das ist praktisch und funktioniert, ohne Eselsohren zu machen. Da wundert es nicht, dass das digitale Lesezeichen von 69 Prozent der Nutzer favorisiert wird. Auch die Skalierbarkeit der Typographie steht mit 68 Prozent ganz oben auf der Liste der beliebtesten technischen Funktionen. 38 Prozent nutzen zudem die Stichwortsuche und rund 26 Prozent machen sich Notizen und ein Fünftel markiert Textstellen. 17 Prozent nutzen die Übersetzungsfunktion.

Die beliebtesten Bezugsquellen und die digitale Leihbücherei

Der E-Book-Leser sucht nicht mehr so oft den stationären Handel auf, sondern kauft sein Buch Online. 63 Prozent beziehen ihre E-Books über Händler wie Amazon, Buch.de, Ebook.de oder Thalia.de. 27 Prozent bleibt den auf ihrem Gerät vorinstallierten Shops treu. Ein interessanter Aspekt ist, dass mit 14 Prozent mehr Leser direkt bei den Autoren kaufen, während nur neun Prozent bei den Verlagen shoppen gehen. Umso weniger wundert es, dass die Frankfurter Buchmesse das Thema Selfpublishing aufgegriffen hat. Die Verlage und Autoren erkennen die Chancen der Selbstvermarktung im World Wide Web. Und auch um seine Leseerfahrungen mit anderen zu teilen ist dies der richtige Ort. Immerhin 26 Prozent der E-Book-Nutzer teilen ihre Erfahrungen. 14 Prozent schreiben Rezensionen in Online-Shops und acht Prozent nutzen Apps. Dort werden Textstellen markiert und mit anderen diskutiert und ausgetauscht. Rund drei Prozent arbeiten mit Copy und Paste. Sie kopieren Textstellen und teilen diese über soziale Netzwerke.

Ein weiterer wichtiger Trend ist die Ausleihe von digitalen Büchern. Ein Viertel der Befragten leiht schon elektronische Bücher über öffentliche Büchereien aus. Letztes Jahr waren dies erst 17 Prozent. 16 Prozent nutzen für diese Form des Buchlesens kommerzielle Anbieter. 25 Prozent lesen frei verfügbare Bücher und sechs Prozent zahlen pro Seite. 52 Prozent der E-Book-Leser nutzen Alternativen zum Kauf einzelner Dateien.

Neue Chancen für Verlage

Gespannt sein darf man darauf, wie kreativ Verlage auf die neuen Herausforderungen reagieren. Der renommierte Hanser-Verlag etwa gründete die Hanser Box und stellte diese kurz vor der diesjährigen Buchmesse vor. Es ist eine eigenständige digitale Edition mit Texten von Autoren, die für ein E-Book zu kurz und für die Zeitung zu lang sind. Diese wird es dort zwischen 1,99 und 4,99 Euro geben. Die Texte sind alle neu und eigenständig. Auch bei amazon sollen die Editionen vertrieben werden. Zum Start legte man mit zehn Texten vor. Dabei punktet der Verlag gleich mit Top-Autoren wie Philipp Blom, T.C. Boyle, Christian Felber, Thomas Glavinic, Henning Mankell, Javier Marías, R.J. Palacio, Roberto Saviano, Janne Teller, Ilija Trojanow, deren Erzählungen in den ersten zehn Boxen stehen. Bis zum 1.12.2014 kann man sich den Text „Sex“ von Thomas Glavinic sogar kostenlos herunterladen. Anschließend wird es jeden Mittwoch einen neuen Text geben. Pro Jahr mehr als 50 Publikationen, immer einzeln zu erwerben, ein Abonnement ist aktuell nicht geplant. Die Buchbranche ist in Bewegung.

Zum Start der Buchmesse wurde bekannt, dass das Verlagshaus Bastei Lübbe, das Autoren wie Dan Brown oder Ken Follett führt, mit Amazon einen langfristigen Vertrag für den Vertrieb von E-Books in Deutschland und international abgeschlossen hat. Damit erhält der Verlag auf einen Schlag Zugang zu E-Book-Lesern in mehr als 200 Ländern.

* Die Umfrage wurde von Bitkom Research und der Aris Umfrageforschung durchgeführt. Im September 2014 wurden 2.310 Personen ab 14 Jahren in Deutschland befragt. 562 der Befragten nutzten bereits E-Books.

Foto: Syda Productions/fotolia

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