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Das neue Storytelling-Tool Inception

Es gibt neue Werkzeuge, mit denen Inhalte noch schneller und flexibler erzeugt und in alle Kanäle ausgespielt werden können. Urs Felber, Geschäftsführer der A&F Computersysteme AG in der Schweiz, erklärt in KNOW!S die neuen Möglichkeiten.

Man kann Redakteure oder Autoren in Tippakademien zum Zehn-Finger-Schreibtrainer schicken, Selbstlernvideos ansehen lassen, ihnen die schnellsten Rechner und Werkzeuge zur Verfügung stellen, die es auf dem Markt gibt oder von Zaubertrank träumen. Nur: „Der Redakteur schreibt nicht schneller“,  bringt Urs Felber die tägliche Arbeit in den Redaktionsstuben, den Marketing Abteilungen oder Agenturen, die heute Magazine, Blogs oder Social Media Kanäle füllen, auf den Punkt. Wie kann man heute die Autoren besser unterstützen, in einer Zeit, in der ein Autor eben nicht nur für einen Titel schreibt, sondern häufig mehrere Kanäle mit unterschiedlichsten Anforderungen füllen muss?

Felber hat darauf eine eindeutige Antwort: Verlag, Zeitung oder Magazin brauchen ein effektives Redaktionssystem und Inhalte, die möglichst medienneutral zur Verfügung stehen. Dies fange schon beim Sammeln der Inhalte an. Es sei die Frage, ob heute mehrere Redakteure oder Fotografen auf einen Event geschickt werden oder nur einer, der dann für alle Medien und Kanäle möglichst neutral die Inhalte sammele und in ein Digital Asset Management einspiele.

Urs Felber, A&F Computersysteme AG, berät seit über 30 Jahren unter anderem zum Thema Redaktionssysteme.

www.a-f.ch

 

Inhalte also zunächst in einer Art Dossier aus Bild, Text, Audio, Video und Grafik an einer Stelle gesammelt werden und dann der Redaktion oder den Autoren zur Verfügung stehen. In der klassischen Print-Produktion kennt man seit langem Planungstools und ein effektives Redaktionssystem, in dem die Seiten und die Anzeigen geplant werden und Vorlagen mit fertigen Seitenzahlen und Seitenköpfen zur Verfügung stehen. Dazu kommen Werkzeuge, mit denen etwa die Chefredaktion Ressourcen und die mittel- und langfristige Themenplanung steuern kann, und die sich dann in die kurzfristigen Workflows einbetten lassen.

Die Softwareschmiede „WoodWing“ hat jetzt mit „Inception“ ein neues Storytelling-Tool out of the Box für Medienprojekte mit dem Ansatz „Online-First“ als cloudbasiertes HTML-Autorenwerkzeug auf den Markt gebracht.

Artikelorientierter Ansatz

Mit „Inception“ sei es möglich, etwa über die Adobe Publishing Solution, Apple News, Facebook Instant Articles oder ein Web Content Management System (CMS) Inhalte auf unterschiedliche Medienarten, Papier, und mobile Endgeräte zu publizieren. „Inception“ verfolge den artikelbasierten Ansatz. Der Autor benötige keine HTML-Kenntnisse und kann dennoch responsive und interaktive HTML-5 Seiten erstellen. Dies geschehe durch benutzerfreundliche Werkzeuge und anpassbare Vorlagen. Will der Verlag oder das Unternehmen Vorlagen im eigenen Design oder seinem individuellen Web-CMS, wie Typo 3, erstellen, nutzt er Systemintegratoren, wie Schaffrath DigitalMedien.

Denn „Inception“ basiert auf Templates, die individuell anpassbar seien. Der Autor gewinne damit Zeit, sich um seine Texte, Titel, Vorspänne, Zitate, responsiven Bilder, Slideshows oder Videos zu kümmern. Diese werden mit „Inception“ editiert und ausgegeben. Auch Features, wie das Beschneiden von Bildern, seien integriert. Die Inhalte, die mit „Inception“ publiziert werden, halten sich an die Richtlinien des „mobil-freundlichen Google Algorithmus“.

Felber beschreibt einen weiteren Vorteil von „Inception“: Die Artikel können ständig aktualisiert werden, auch Liveticker oder Live-Berichte, wie man sie von großen Sportereignissen kennt, seien kein Problem mehr. „Inception“ ist Teil der „WoodWing Content Cloud“ und dort werden die Daten verwaltet. Felber ist sich zudem sicher, dass die Konvergenz der Aufgaben für die Mitarbeiter, die bisher in unterschiedlichen Kanälen unterwegs waren, in den Medienhäusern und Marketingabteilungen der Unternehmen weiter zunehmen werde. Dabei sei es wichtig, gerade für Häuser, die noch viele altgediente Printredakteure an Bord haben, diesen Lösungen zur Verfügung zu stellen, die möglichst einfach zu bedienen seien. So werde die Hürde für Mitarbeiter niedrig gelegt, sich dem Kulturwandel in der Kommunikation und den Medien zu öffnen. Der, da ist sich Felber ganz sicher, nicht mehr aufzuhalten sein werde, aber eben auch kein Hexenwerk sei. Nicht nur Digital Natives nutzten „Inception“ intuitiv, erklärt Felber.

Einfaches Publizieren

Der Markt werde in den kommenden Jahren weitere Lösungen wie „Inception“ bieten, die ein einfaches Publizieren über alle Kanäle ermöglichen. Dabei sei es wichtig zu erkennen, welche Rollen etwa Systemintegratoren haben, die helfen, die richtigen Asset Management Systeme zu finden, diese mit den Storytelling-Tools verbinden und den Contentproduzenten die richtigen Templates und Ausspielkanäle zur Verfügung stellen.
Den meisten Erfolg haben bislang die Häuser erzielt, so Felber, die sich konsequent und beherzt der Moderne geöffnet haben. Neben der technischen Integration, müssten aber auch die Mitarbeiter mitgenommen werden. Die besten Erfahrungen habe man bislang damit gemacht, wenn es ein Nukleus-Team im Verlag, Unternehmen oder Agentur gebe, das bei der Implementierung neuer Werkzeuge deren Akzeptanz entscheidend mit förderte.

Der ganz harte Cut, also die Umstellung von einem auf den anderen Tag, habe zu erheblich stärkeren Verwerfungen und längeren Phasen der Akzeptanz geführt. Felber: „Es ist besser den Kulturwandel Schritt für Schritt zu vollziehen“. Bezieht man jetzt noch auf der Verlagsseite neue Vermarktungsmodelle wie „Blendle“ mit ein – also noch mehr Kanäle – die bedient werden wollen, so wird deutlich, dass hier Handlungsbedarf in der nahen Zukunft besteht.

 
Alexander Hornen
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