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Magazinproduktion: Die Wahl des richtigen Papieres

Papier beflügelt: Papier kann man falten und Schiffchen oder Flieger bauen. Je ausgefeilter die Falttechnik, umso ausgefallener das Endprodukt. Oft werden die
kreativen und wirtschaftlichen Chancen, die in der Wahl des richtigen Papieres liegen, nicht genutzt. Und mit besonderen Papieren kann man Printmagazine aufwerten.

Wie Sommeliers müssen die Mitarbeiter eines Papierlagers agieren: Die Temperatur darf nicht zu hoch und nicht zu niedrig sein, zwischen minimal zehn und maximal 25 Grad Celsius schwanken. Auch die Luftfeuchtigkeit muss exakt stimmen, damit die Bögen oder Rollen immer optimal verdruckbar sind. Aber das sind nur die äußeren Rahmenbedingungen. Viel interessanter ist der richtige Einsatz von Papieren, das ansprechen aller Sinne mit dem Stoff Papier und die kreativen Möglichkeiten, mit der Printprodukte veredelt und optimiert werden können.

Das kleine Einmaleins der Papierkunde
Matte Papiere sind für textlastige Magazine besser geeignet, da sie bei Sonnen- und Lichteinstrahlung nicht so stark reflektieren und damit lesefreundlicher sind. Halbmatte Papiere empfehlen sich für den klassischen Content-Mix aus Bild und Text, während glänzende Papiere Fotos und Illustrationen in hoher Farbbrillianz abbilden können. Ähnliches gilt, wenn Papiere mit Drucklack veredelt werden sollen. Auch wenn es, wie Rasmus Pohlmann, der Papiereinkäufer der L.N. Schaffrath DruckMedien, aus dem Nähkästchen erzählt, immer wieder zu erstaunlichen Kundenanfragen komme, etwa matte Papiere mit glänzenden Lacken zu veredeln. Eigentlich kontraproduktiv. Klassisch und feiner wertet man matte Papiere mit matten Dispersionslacken auf und kann glänzendes Papier etwa mit UV-Lack zum Strahlen bringen. Natürlich kann es reizvoll sein, Kontraste zu setzen: Etwa mattes Papier partiell mit UV Lack zu bedrucken. Naturpapiere sollte man gar nicht lackieren, weil sie dadurch ihren Charakter verlieren. In speziellen Fällen empfiehlt sich auch Chromosulfatkarton*. Dieser kommt vor allem bei Katalogen zur Anwendung. Chromosulfatkartons sind fester als Papiere und das bei gleicher Grammatur. Das spürt man in der Griffigkeit und das Produkt ist haltbarer. Bei Printobjekten wie Katalogen, die mehrfach in die Hand genommen werden, ist dies ein klarer Vorteil.

Papiermuster im Original vergleichen
Schaffrath in Geldern hält rund zwei Millionen Bogen für den Akzidenzdruck und 2.000 Tonnen Rollenoffsetpapier vor. Dies liegt an der Vielzahl der Periodika, die am Niederrhein produziert werden. Wichtig ist Papierfachmann Pohlmann, dass die Kunden immer gut beraten sind. Bevor sich Kunden für ein Papier entscheiden, sollten sie dieses selbst in der Hand gehalten haben. Nur dann kann man die Haptik spüren oder den Weißegrad selbst beurteilen. Sei es als Blindmuster des Magazins oder zumindest als A4-Bogen. Dieses sollte dann auch unter verschiedenen Bedingungen geprüft werden: Bei Tageslicht, aber auch im Innenbereich bei Kunstlicht. Zwar gibt es Messwerte für den Weißegrad eines Papieres, aber Experte Pohlmann empfiehlt die optische Prüfung: „Sehr weiße Papiere schlagen häufig entweder leicht ins Bläuliche oder Rötliche. Ein Beispiel: So kann der gemessene Weißegrad eines rötlichen Papieres höher sein, als der des Bläulichen. Aber wenn beide Papiere nebeneinander liegen, wirkt das Bläuliche heller. Das liegt daran, dass Blau in den Augen anders wirkt.“ Die Verbesserung der Weiße eines Zeitschriftpapiers ist übrigens die am häufigsten gewünschte Art der Veredelung.

Die Haptik schätzen und thematisch nutzen
Die Haptik von Papier und damit auch gefühlte Emotionen kann man steuern. Matte Papiere fühlen sich in der Regel weicher an, schmeicheln beim Anfassen dem Leser mehr in der Hand. Die Oberfläche bei matten Papieren ist offenporig, der Grund, warum sie sich softer anfühlen. Die  glänzenden oder halbmatt gestrichenen Papiere fühlen sich durch die geschlossene Oberfläche, die die Druckfarbe ganz anders aufnimmt, härter und technischer an. Der  Knittertest hilft hier weiter, denn beim zerknüllen des Papiers ist dies zu hören.

Mit der Grammatur Wirkung erzielen
Mit einigen wenigen Tipps und Tricks können durch Papier, Grammatur und Volumen selbst schrumpfende Umfänge nicht nur kaschiert, sondern das Objekt sogar wertiger gemacht und die Kosten gesenkt werden. Der optische Vorteil: Habe ich bisher ein Papier mit 80gr./qm einfaches Volumen eingesetzt und reduziere dies auf 70 g/qm mit 1,2 fachem Volumen bekomme ich optisch ein Heft das 84 g/qm entspricht. Das zeigt sich auch in der Bundstärke und damit erhält meine Zeitschrift einen wertigeren Objektcharakter, damit Print noch besser wirkt. Der Kostenvorteil: Mit der niedrigeren Grammatur ist weniger Papier in der Maschine, die Tonnage sinkt, aber auch das Gewicht des Einzelheftes, auch wenn das Volumenpapier insgesamt ein wenig teurer ist. Damit können Portokosten eingespart werden. Im Klartext bedeutet dies: „Wenn ich von 80 g/qm auf 70 g/qm wechsle, lohnt es sich eigentlich immer.“ Aber auch für den Leser ist dies angenehmer. Schmökernd auf der Couch liegt das Heft federleicht in der Hand. Das nimmt man positiv wahr.

Nachhaltige Themen gekonnt mit Papier in Szene setzen
Wer auf Nachhaltigkeit setzt und dies nach außen dokumentieren will, der sollte auf FSC- oder PEFC-zertifizierte Papiere setzen. Diese liegen zwar preislich höher – abgerechnet wird pro Tonne Papier – und Kunden müssen derzeit mit rund 20 bis 30 Euro Mehrkosten rechnen. Beim Einsatz von PEFC-Papieren kann dies sogar kostenneutral sein. Aber die Labels führen zu mehr Akzeptanz für Printprodukte. „Ich erinnere mich an einen Katalogkunden, den wir in diese Richtung beraten hatten. Er hatte sich für ein volumiges Papier entschieden und warb am Ende mit dem FSC-Label. Der Katalog wirkte wunderbar opulent und der Kunde konnte sein Marketing deutlich verbessern, weil er eine Story zu erzählen hatte“, beschreibt Pohlmann den Effekt.

Mit Papier kreativ umgehen
Die kreativen Möglichkeiten im Umgang mit Papier werden oft nicht ausgereizt. Warum nicht einmal ein Spiel mit unterschiedlichen Papieren und Papierfarben im redaktionellen Teil eines Magazins? Früher nutzte man den Papierwechsel häufig in bilingualen Magazinen um Sprachen voneinander abzugrenzen. Im Prinzip gibt es keine Grenzen für das Mischen unterschiedlichster Papiere. So können Teile in einem Magazin durch ein anderes Papier hervorgehoben werden. Werbebeihefter nutzen diese Form der Sonderstellung häufig. Ein historischer Teil oder das Faksimile eines Nachdruckes einer Erstausgabe auf gelblichem oder sogar Papier mit Büttenanteil und Schwarz-Weiß-Druck schafft ein tolles Produkterlebnis. Das Magazin „Der Journalist“ hat dies etwa mit einem Papier des Herstellers Munken realisiert und damit einen tollen Effekt erzielt. Auch verschiedene Papierbreiten in einem Magazin seien machbar. Solche kreativen Spielereien gingen zwar zu Lasten der Produktionsgeschwindigkeit, aber auch hier gebe es keine Grenzen für innovative und aufmerksamkeitsstarke Ideen. Das verleihe dem Printprodukt eine unverwechselbare Note.

Die edlen Feinpapiere
Edle Papiere etwa von Fedrigoni mit speziellen Oberflächen wie Perlmutt- oder Fischgrätoptik können den Look & Feel eines Magazins unterstreichen und ihm fast den Reiz eines Unikates verleihen. Gerade in der wichtigen Covergestaltung oder sei es nur als Flappe, können so Akzente gesetzt werden. In der Regel kommen diese Papiere nur im Bereich Geschäftsberichte vor, können aber auch einem Kundenmagazin einen ganz besonderen Kick verleihen. Pohlmann hat einen ganzen Musterschrank voll toller Ideen. Gmund-Papiere, die mit führend im Naturpapierbereich sind, Papiere von Igesund oder Fedrigoni, um nur einige wenige zu nennen. Und da schließt sich der Kreis und Vergleich mit dem Sommelier, nur dass Papierexperten nicht den Gaumen für den Geschmackstest bemühen, sondern ihre Fingerspitzen. Denn die spüren die unterschiedliche Haptik oder lassen Papier, wenn man es zerknüllt, sogar anders klingen. Papier als faszinierender Botenstoff für alle Sinne kann sogar nach Kaffee duften, wenn man es entsprechend mit Duftlack versieht.

 

Rasmus Pohlmann
02831.396-211
rasmus.pohlmann@schaffrath.de

Foto: imagerf/fotolia

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