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„drupa“-Geschichte: Vom Tiegel zu immer On

65 Jahre „drupa“ – Eine Geschichte, mit der auch schaffrath medien eng verbunden ist. Ein Blick zurück an die Anfänge 1951 zeigt die rasanten Veränderungen einer Branche, die damals noch dem Buchdruck huldigte, Blei für Buchstaben schmolz und heute zeigt, wie man Elektronik oder 3-D druckt. Gehen Sie mit KNOW!S auf eine kleine Zeitreise zu Druck, Medien und Gesellschaft in die Zeit der ersten „drupa“ am Beginn der 50er-Jahre in Deutschland.

Die „drupa“ feiert in diesem Jahr ihren 65. Geburtstag und erinnert in ihrer eigenen Rückschau erst einmal an einen Film aus dem Jahr 1989: „Zurück in die Zukunft“. Umformuliert für 2016 in „Zurück in die Zukunft des Drucks“ und stellt damit die spannende Frage, was wurde damals als Trend orakelt und ist heute Realität. 1951 fand die erste „drupa“ statt. Wie viele Mediengenerationen liegt das eigentlich zurück? Was hätte ein „drupa“- Besucher wohl damals gesagt, wenn man vor seinen Augen ein Smartphone gezückt hätte, einmal gewischt, eine Suchanfrage eingetippt, auf eine Website wie Wikipedia gesurft wäre und dann innerhalb von noch nicht einmal einer Minute festgestellt hätte: Die erste „drupa“ war der Nachfolger der 1914 und vor dem Krieg etablierten BUGRA-Ausstellung in Leipzig („Buchgewerbe und Graphik“) in Westdeutschland.
Denn, 1951 gab es noch keine Mauer – noch nicht einmal den berühmten Satz von Walter Ulbricht. Die sollte erst ein Jahrzehnt später im Jahr 1961 errichtet werden. Und Ulbricht sagte erst am 15. Juni 1961 auf einer Pressekonferenz: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ schaffrath medien gab es 1951 übrigens schon 208 Jahre, denn das Druckhaus aus Geldern wurde 1743 gegründet. Und auch am Niederrhein sorgte die „drupa“ 1951 für mächtig Gesprächsstoff.

Start im biederen Jahrzehnt

Konrad Adenauer war 1951 Bundeskanzler und absolvierte seinen ersten Staatsbesuch in Italien, die neue deutsche Nationalhymne wurde festgelegt und Deutschland war 1951 noch nicht Fußballweltmeister in Bern. Übrigens nahm in diesem Jahr auch das Bundesverfassungsgericht seine Arbeit in Karlsruhe auf, und im gleichen Jahr, als die Druckbranche sich auf der „drupa“ präsentierte, fand die erste deutsche Automobilausstellung „IAA“ in Frankfurt statt. Am 9. Mai 1951 wird die „Fogra“ gegründet, damals die „Deutsche Gesellschaft zur Förderung der Forschung im graphischen Gewerbe“.  In Düsseldorf wurde die erste Langspielplatte vorgestellt, in den USA die erste Antibabypille und in Deutschland echauffierte man sich über den Film „Die Sünderin“ mit Hildegard Knef und verhängte Aufführungsverbote.

Und die Medien zu dieser Zeit?

1951 spricht man noch von der fernsehlosen Zeit. 1952/53 waren nur 300 angemeldete TV-Zuschauer registriert und bis 1955 steigerte sich diese Zahl auf 80.000 Teilnehmer. Die meisten Menschen schauten in Gaststätten Fernsehen oder vor Schaufenstern. Und es gab noch keine „Bild“-Zeitung, die kam erst ein Jahr später 1952 auf den Markt. Rund 7,3 Millionen Rundfunkempfänger gab es damals in Deutschland. In der Stadt kamen 248 und auf dem Land 107 Empfangsgeräte auf 1.000 Einwohner. 219 Millionen Deutsche besuchten 1951 Kinovorführungen.

Kurzer Boom bei den Zeitungen

Der ehemalige Ministerialrat Dr. Walter Schütz arbeitete die Entwicklung der Presse zwischen 1945 und 1995 auf und vor allem auch die Startphase nach dem Krieg. Schütz stellte fest: „Alle größeren deutschen Zeitungen gehen direkt oder indirekt auf die Entscheidungen alliierter Presseoffiziere in der sogenannten Lizenzzeit zwischen Kriegsende und Konstituierung der Bundesrepublik Deutschland zurück – und das in Ost wie West, denn auch in Mitteldeutschland wurden die Länder und die Zeitungsstruktur nach 1945 durch Entscheidungen der sowjetischen Besatzungsmacht festgelegt.“

In den drei westlichen Besatzungszonen erschienen 1949 insgesamt 137 „Lizenzzeitungen“ und schon als der Lizenzzwang aufgehoben wurde, folgte die erste Konzentrationswelle. Als im Herbst/Winter 1949 der Markt freigegeben wurde, gab es einen Boom an Neugründungen. Aber bereits 1950 wurden mehr Zeitungen wieder eingestellt als neu gegründet. 1954 lag die Zahl der unterschiedlichen lokalen und regionalen Zeitungsausgaben bei rund 1.500. Und die mussten ja auch alle produziert werden.

Auch bei schaffrath medien begann die Aufbauarbeit nach dem Krieg. Alexander Schaffrath startete den Wiederaufbau mit tatkräftiger Unterstützung seines langjährigen Prokuristen Wilhelm Lohrmann. Es begann die Zusammenarbeit mit der „Rheinischen Post“ und ab Mitte der 1950er-Jahre wurde im Druckhaus bei Schaffrath in Geldern alle Niederrhein-Ausgaben der „Rheinischen Post“ zentral gedruckt. Allerdings noch nicht am heutigen Standort in der Marktstraße, sondern noch im Druckhaus in der Hartstraße in Geldern.

Zeitschriften mit hohen Auflagen

Gab es zum Ende der Weimarer Republik noch rund 18.000 Zeitschriften, nahm deren Zahl schon in der Zeit des Nationalsozialismus stark ab. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges waren es noch rund 5.000 und 1944 schrumpfte die Zahl auf 485 Zeitschriften. Nach dem Krieg gab es in Deutschland im Jahr 1949 wieder rund 1.537 Illustrierte und Magazine. Nach der Währungsreform stieg deren Zahl in den folgenden fünf Jahren wieder auf rund 5.000 an.

Treffen Sie schaffrath medien auf der „drupa“ in Halle 7.0 Stand C 01

 

Zu Beginn lizenzierten auch hier die Besatzungsmächte und legten etwa eine Mindestauflage von 1.500 Exemplaren fest. Aber es gab auch schon sehr hohe Auflagen. So hatte die von den Besatzungsmächten herausgegebene „Amerikanische Rundschau“ eine Auflage von 120.000 Exemplaren. Neben der Lizenz selbst war in den ersten Jahren noch eines sehr wichtig: das Anrecht auf eine garantierte Papierzuteilung, denn damals herrschte extreme Papierknappheit. Das kann man sich heute, wenn man etwa durch das riesige Papierlager bei schaffrath medien mit seinen hoch aufgetürmten Papierrollen geht, gar nicht mehr so richtig vorstellen.

In diese Zeit fallen auch die Geburtsstunden von Titeln wie „Hörzu“ mit dem Claim „Die Rundfunkzeitung“. Die Cover zierten Schwarz-Weiß-Fotos von Marlene Dietrich, Heinz Rühmann oder Heinz Erhardt. Die kostete damals 30 Pfennig und hatte eine Auflage von 250.000 Exemplaren. Denn es war die fernsehlose Zeit und die Menschen erlebten Medien emotional vor dem Radio, in Print oder im Kino. Kommen wir noch einmal zurück auf das Wunder von Bern bei der Fußball-WM 1954. Es war die legendäre Radioreportage von Herbert Zimmermann vom 4. Juli 1954, als die Straßen der Republik wie leergefegt waren.

Eine Sequenz reicht und nicht wenige Menschen bekommen schon beim Lesen eine Gänsehaut: „Sechs Minuten noch im Wankdorfstadion in Bern – keiner wankt. Unaufhörlich prasselt der Regen hernieder, es ist schwer, aber die Zuschauer harren aus. Wie könnten sie auch? Eine Fußballweltmeisterschaft ist nur alle vier Jahre. Und wann sieht man ein solches Endspiel? […] Bozsik, immer wieder Bozsik, der rechte Läufer der Ungarn, hat den Ball – verloren, diesmal an Schäfer. Schäfer nach innen geflankt. Kopfball – abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt … Toooor! Toooor! Toooor! Toooor!“

1951 wurde bei schaffrath medien schon 208 Jahre lang gedruckt.

 

Auch in der DDR kamen nach und nach mehr Zeitschriftentitel auf den Markt. 1954 gab es dort „Das Magazin“, eine Kulturzeitschrift mit einem wöchentlichen Aktfoto. Der „Stern“ erschien zum ersten Mal im Jahr 1948 mit einem Cover, dass Hildegard Knef im Heu zeigte, die später im Jahr der ersten „drupa“ mit „Der Sünderin“ auffiel.

Diese wenigen Beispiele zeigen deutlich, dass die „drupa“ schon mit ihrer Gründung eine Erfolgsgeschichte schreiben musste. Denn die vielen Zeitungen, Zeitschriften und Illustrierten mussten schließlich produziert werden und die Auflagen stiegen. 1951 geschah dies zum überwiegenden Teil im Buchdruck. Heidelberg, M.A.N oder Koenig & Bauer, die als die älteste Druckmaschinenfabrik der Welt gilt, stellten auf der „drupa“ schon 1951 aus. Heute ist sie die Holding der KBA-Gruppe. Und auch bei schaffrath medien stehen Maschinen von KBA. Eine KBA C 48, C 16 und Rapida 106. Mit der KBA C 48 werden heute 48 Seiten auf modernste Art und Weise produziert, die sich die Besucher der „drupa“ im Jahr 1951 so sicher nicht vorstellen konnten.

Die konnten etwa am Stand von Heidelberg 19 Maschinen live erleben, darunter die automatische Tiegel-Druckmaschine mit einer maximalen Leistung von rund 5.500 Drucken pro Stunde bei nicht registerhaltigem Druck oder den Heidelberger Cylinder.

Der Wandel durch den Offsetdruck deutet sich an

Bei der ersten „drupa“ zeichneten sich auch schon weitreichende Veränderungen ab: Der Offsetdruck. 1951 in den USA bereits im Aufschwung begriffen. In Düsseldorf wurden Bogenoffsetmaschinen, wie etwa die „Ultra M.A.N.“ gezeigt. Der Druckmaschinenhersteller Faber & Schleicher, der 1871 als „Associationsgeschäft zur Produktion von lithografischen Schnellpressen“ in Offenbach am Main gestartet war, zeigte seine 1-Farbendruckmaschine Roland Parva und die 2-Farben Roland Ultra. Später fusionierte man mit M.A.N. zu M.A.N. Roland. Faber & Schleicher baute übrigens im Jahr 1911 die weltweit erste Roland-Bogenoffsetrotationsdruckmaschine und erhielt auf der Weltausstellung in Turin dafür eine Goldmedaille.

Positive Berichterstattung

Die Tageszeitung „Die Zeit“ berichtete von der ersten „drupa“: „Die Geschäftsabschlüsse mit den 460 Ausstellerfirmen (unter ihnen rund 80 Ausländer) sind außerordentlich befriedigend, wenngleich auch im Papiergeschäft die Nachfrage nicht vollends gedeckt werden konnte. Nennenswerte Preisauftriebstendenzen bei Papier wurden nicht festgestellt, obwohl natürlich hinsichtlich der Papierpreise eine gewisse Unsicherheit nicht übersehen werden kann. Das größte Interesse der Besucher, bei denen es sich in der Hauptsache um Fachleute handelte, konzentriert sich vor allem auf die technischen Neuheiten bei den Druck- und Papiermaschinen, mit denen die bekannten und namhaften deutschen Firmen zum ersten Male nach dem Kriege im Rahmen einer Fachmesse aufwarten konnten. Aber auch in den Ständen der Papiererzeugungs- und Großhandelsfirmen wie auch bei den vielgestaltigen Zuliefererzweigen herrscht stets reger Verkehr.“

Aber der Redakteur äußerte auch Kritik:  „Die auf den ersten Blick verwirrend wirkende Symbiose von Druck und Papier innerhalb einer Messe erhielt ihre Berechtigung aus der engen technischen und wirtschaftlichen Verbindung der beiden großen Wirtschaftsgruppen.“ Was würde heute jener Redakteur wohl sagen, wenn er auf Themen wie gedruckte Elektronik, 3-D-Druck oder „Continous Publishing“, wie es der Oberauer Verlag und schaffrath medien mit der „drupa daily“ realisieren, träfe? Eines ist sicher: Er käme wahrscheinlich aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Wie wichtig die „drupa“ damals für die Branche war, zeigt auch ein Bericht der „Rheinischen Post“ aus dem Jahr 2004. Tacettin Ersoy erzählt, dass er zur ersten „drupa“ 1951 mit dem Zug aus der Türkei anreiste. Über 200 Stunden war er damals unterwegs und musste zahlreiche Grenzen überwinden. Der Zeitung erzählte er: „Ich wollte die Qualität der Druckerzeugnisse in der Türkei verbessern und brauchte Informationen.“ Heute ist die Anreise bequemer geworden und 200 Stunden dürfte kein Besucher der „drupa“ 2016 mehr benötigen.

„drupa“-Meilensteine nach 1951

1954
Die „Linotype Quickset“ – die Setzmaschine mit Lochstreifen schaffte 18.000 Buchstaben pro Stunde.

1958
Der Fotosatz hält Einzug und verdrängt den Bleisatz.

1962
Die Offset-Druckmaschine ist das beherrschende Thema dieser Drupa. Koenig & Bauer feiert 150-jähriges Firmenjubiläum und stellt die „Rapida“-Serie vor. Screen zeigt den ersten elektronischen Farbscanner.

1970
Linotype-Geräte mit Heißmetall werden in den USA nicht mehr hergestellt.

1977
Die „drupa“ hat mehr als 1.000 Aussteller. Die Druckvorstufe ist komplett elektronisch und die ersten UV-Farben werden, neben Offset-Druckplatten für den wasserlosen Druck, vorgestellt.

1982
Der Fotosatz wird weiterentwickelt.

1986
Es gibt den ersten „drupa“-Song. Apple hat 1984 den ersten Desktop-Computer auf den Markt gebracht, Adobe entwickelt PostScript und Linotype feiert sein 100-jähriges Jubiläum.

1995
Computer-to-Plate (CtP) ist das bestimmende Thema. Indigo stellt die E-Print 1000 Digital-Offset-Farbdruckmaschine aus und Apple die Prepress-Lösungen auf Basis von Power Macs. KBA stellt den Tintendruck auf einer „hybriden“ Rollenoffset-Maschine vor.

2000
Der Vollfarb-Digitaldruck wird vorgestellt. Gutenberg feierte vor 600 Jahren Geburtstag und die „drupa“ wurde 50. Apple zeigt OS-X und alle sprechen vom „Internet“.

2004
Die Workflows sind digital, das Job Definition Format (JDF) wird eingeführt.

2008
Die Digitalisierung nimmt zu. Agfa, Canon, Océ, Konica Minolta und Ricoh stellen aus. Am Ende der Messe erreicht die „drupa“ die Nachricht vom Launch des Apple iPhone 3G.

2012
Der Nanografiedruck wird von Benny Landa vorgestellt.

 

Fotos: „drupa“

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