KNOW!S 02-2019

Schaffrath Köpfe  EinGesprächmit Vivian Saupe FRÜH AUFZUSTEHEN IST NICHT JEDERMANNS SACHE. Vivian Saupe macht es allerdings nichts aus — oder zumindest nur wenig. Die 20-Jährige arbeitet als Druckerin bei Schaff- rath, und das am liebsten in der Frühschicht. Die beginnt um 6 Uhr und endet um14 Uhr. „Da bleibt dann noch genü- gend Zeit, um an den See zu fahren, Freunde zu treffen oder ins Fitnessstudio zu gehen“, erklärt sie. Fit sollte man sein in ihrem Job. Denn zum Sitzen kommt man in der großen Druckhalle nur selten. Als Druckerin bzw. „Medientechnologin Druck“, wie es seit der Neustrukturierung des Ausbildungsberufes im Jahr 2011 heißt, richtet Vivian Saupe die Maschine ein, steuert und kontrolliert den gesamten Druckprozess. Eingesetzt wird sie an der Rapida 106, einer Bogenoffsetmaschine von Koenig & Bauer mit acht Farben und Wendung. An der produziert Schaffrath vor allem die Umschläge für Magazine, Zeitschrif- ten und Kataloge — meist auf einzelnen Papierbögen, wie es der Name verrät. Im Vergleich mit den zwei ungleich größeren Rollenoffsetmaschinen, an denen Schaffrath Print­ produkte in hohen Auflagen „von der Rolle“ druckt, ist die Bogenoffsetmaschine zwar kompakter, dafür aber auch „akustisch präsenter“. „Die Maschine ist nicht eingekapselt, und wenn die auf höheren Geschwindigkeiten läuft, wird es wirklich sehr, sehr laut.“ Zu Vivian Saupes Arbeitskleidung gehören daher neben Arbeitshosen und Stahlkappen­ schuhen auch angepasste Kopfhörer. Nicht unbedingt das Lieblingsoutfit der jungen Frau — „Ich bin ein Mädchen durch und durch“, lacht sie —, aber Sicherheit hat nun mal immer Vorrang. Wie kam es zum Berufswunsch? Für Druckprodukte hat sie sich schon früh interessiert: „In der 8. Klasse habe ich ein Schülerpraktikum bei Schaffrath gemacht. Ursprünglich wollte ich gerne in die Mediengestaltung, aber da war nichts frei“, erinnert sich Saupe, „und so bin ich dann in den Druck hineingerutscht.“ Pragmatisch. Mit 16 begann sie eine dreijährige Ausbildung bei Schaffrath, darauf folgten ein Gesellenjahr und der nahtlose Übergang in die Festanstel- lung als zweite Druckerin — tariflich bezahlt, hebt sie hervor: „Das macht sehr viel aus.“ Wenn Vivian Saupe ihre Schicht beginnt, übernimmt sie entweder vom Kollegen, den sie ablöst, einen laufenden Auftrag oder startet einen neuen: Ein Helfer kümmert sich um das Papier, Saupe stellt die acht belichteten Druckplatten in die Maschine, startet die Produktion und überprüft während des Druckvorgangs zum Beispiel den Passer, der anzeigt, ob die vier Farben, aus denen sich das Druckbild zusam- mensetzt, auch perfekt übereinander gedruckt werden. Und natürlich nimmt sie die Farbgenauigkeit unter die Lupe. Dazu vergleicht sie den Druck mit dem sogenannten Proof, einem farbverbindlichen Testdruck, der vom Kunden frei- gegeben wurde. Mit bloßem Auge? „Wir haben zur Prüfung auch Geräte, aber viel machen wir auch nach dem Auge“, sagt sie. Ist ein Gelbton nicht gelb genug, wird nachjustiert. Das Ergebnis muss perfekt und der Kunde zufrieden sein. Kundenkontakt, wie er für die Druckvorstufe typisch ist, gibt es in ihrem Bereich allerdings kaum. Nur selten kommt ein Auftraggeber vorbei, um vor der Produktion die Druckab- nahme vorzunehmen. Und wenn es mal nicht so rund läuft? „Wenn eine größere Störung vorliegt, wird es manchmal schwierig für mich“, gibt die junge Druckerin freimütig zu. „Weil ich nicht die Erfahrung eines Kollegen habe, der hier seit 30 Jahren arbeitet. Ich muss dann schauen, dass ich es hinbekomme, aber natürlich habe ich jederzeit Ansprechpartner vor Ort, zu denen ich gehen oder die ich anrufen kann.“ Ansonsten hilft ihr die Fernwartung des Herstellers, der die Maschine gebaut hat. Zur Einweisung an der neuen Rapida hat Schaffrath Vivian Saupe und ihre Kollegen zu Seminaren von Koenig & Bauer nach Radebeul bei Dresden geschickt. Man braucht neben einem guten Auge nämlich eine Menge technisches Know-how — und jede Maschine ist anders. Vivian Saupe, eine von nur vier Druckerinnen im Unter- nehmen, versteht sich mit ihren Kollegen gut. „Es ist ein schönes Arbeitsumfeld“, sagt sie und betont das gute Miteinander im Betrieb. „Ab und zu geht man gemeinsam etwas trinken, im September zum Beispiel ist wieder unser Sommerfest ‚Papier für Bier‘. Das ist schön, dass sowas noch gemacht wird.“ Wer übrigens glaubt, dass die Druckerin den Stress des Jobs ausgleicht, indem sie im Urlaub eine ruhige Kugel schöbe, täuscht sich. Vivian Saupe reist gerne und mag vor allem Städtereisen: „Ich will noch viel sehen von der Welt!“ KNOW ! S  02/2019 33 SCHAFFRATH KÖPFE: VIVIAN SAUPE Foto: schaffrath medien

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